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Wir arbeiten heute MEHR und leisten dennoch WENIGER...

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Ständige Erreichbarkeit, kaum bedienbare Technologie und wachsende Komplexität führen zu Stress.

Geschäftsführer und «Digital Officers» versuchen mittlerweile fast krampfhaft, die Digitalisierung in jedem Bereich des Unternehmens zu verankern. Je mehr Mitarbeiter in den Prozess der Digitalisierung involviert sind, desto deutlicher wird aber: Sie zahlen die Zeche der Digitalisierung. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Deutschland (Online-Umfrage mit über 1200 Angestellten). Ein Grund für diese Entwicklung sei die Digitalisierung, schreiben die Studienautoren.


Tatsächlich arbeiten wir sechs Tage pro Woche
Der Vergleich derselben Studie aus dem Jahre 2013 zeigt auf, dass die Anzahl der durchschnittlichen Überstunden in Deutschland von 5,8 auf 7,5 Stunden pro Woche zugenommen hat. Das ist beinahe ein Arbeitstag. «Im Grunde sind wir zu einer 6-Tage-Woche zurückgekehrt», sagt Studienleiter Daniel Markgraf. «Angestellte arbeiten heute aber im doppelten Sinne umsonst. Überstunden sind normalerweise unbezahlt und führen aufgrund der Effizienzverluste nicht dazu, dass mehr geleistet wird.»

Die ständige Erreichbarkeit, die Flut von E-Mails und die Präsenz auf Social Media führt aber noch zu einem weiteren Phänomen, welches Forscher bereits bei Kindern feststellen: Wir können uns nicht mehr konzentrieren. Die Studie sagt aus, dass nicht mal die Hälfte aller Beschäftigten konzentriert arbeiten kann.

Bei vielen Angestellten komme damit das Gefühl auf, dass sie viel arbeiten, aber es nie genüge, so die Studie. Im Zeitalter der Digitalisierung arbeiten wir mehr, aber leisten weniger. Diese Mehrarbeit ist kaum in konkreten Zahlen zu messen. «Digitales und interaktives Arbeiten bedeutet, sich mit zahlreichen Informationen und Netzwerken auseinanderzusetzen. Davon ist der Einzelne schnell überfordert, weil er mit viel Arbeit wenig erreicht», sagt Markgraf. Die Probleme der Mitarbeiter beim Umgang mit Schnittstellen, technische Schwierigkeiten und nicht digitalisierten Prozessen würden sich aufsummieren. «Das führt zu einem Arbeitszeitverlust von rund 30 Prozent.»


Vermischung von Beruf und Freizeit
Trotz solchen Kampagnen lässt sich Arbeit und Freizeit kaum mehr trennen: Über 40 Prozent der Studienteilnehmer sagten aus, sie würden E-Mails im Bett oder auf der Toilette ausserhalb der Arbeitszeit beantworten. Zwei Drittel beantworten Mails am Sonntag, am Abend oder in den Ferien.

Obwohl es keine detaillierten Studien zu der Situation in der Schweiz gibt, kommt Stressforscherin Beate Schulze von der Universität Zürich zu ähnlichen Erkenntnissen. Sie leitet dort das Trainingsprogramm «Stressmanagement im Berufsalltag». Neben ihrer Lehrtätigkeit berät Schulze als Coach und Organisationsberaterin mit ihrer gleichnamigen Consultingfirma Unternehmen zur Mitarbeiterförderung. «Die heutige Grundhaltung, jederzeit auf Mails oder Anfragen zu reagieren, führt zu Stress und Belastung», sagt die Dozentin.


Technologie soll entlasten, nicht belasten
Viele Unternehmer würden sich laut Schulze von der Euphorie rund um die Ditalisierung blenden lassen. «An unzähligen Kongressen und Events wird die digitalisierte, Silicon-Valley-mässige Zusammenarbeit zelebriert. In den Niederungen des Alltags manifestiert sich dieses Mantra aber dann in abgestürzten Datenbanken, endlosen Schulungen und Meetings sowie unzähligen Mails und Chats», sagt Schulze.

Software-Anwendungen würden auf Biegen und Brechen grossflächig eingeführt, ohne dass immer der Umgang im Arbeitsalltag gelernt wird», sagt die Organisationsberaterin. Die Mitarbeiter würden oft gar nicht wissen, was sie mit diesen Tools anfangen sollen. Dadurch stelle sich ein «Ohnmachtsgefühl» ein. Die Mitarbeiter würden das Gefühl erhalten, sich auf allen Plattformen und Arbeitstools zu engagieren, aber der Output der Arbeit fällt trotzdem gleich oder geringer aus, sagt Schulze.

Schulze rät, dass Angestellte mit neuer Software und Arbeits-Tools eingehend vertraut gemacht werden und wissen müssen, mit welchem Sinn und Zweck sie diese einsetzen. Dann könne die Effizienz gesetigert werden und mobiles Arbeiten tatsächlich zum Wohlbefinden der Mitarbeiter beitragen. Das komme auch den Unternehmen zugute: «Die Angestellten können sich auf ihre kreative Entfaltung und die wesentliche Arbeit konzentrieren. Das schützt vor Burnout und Frustration».

Quelle: Auszug aus dem Artikel auf bilanz.ch